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Das Seniorenstudium vor dem Prinzip des Lifelong Learning

Lebenslanges Lernen im Sinne der Mitteilung der Europäischen Gemeinschaften bedeutet „alles Lernen während des gesamten Lebens, das der Verbesserung von Wissen, Qualifikationen und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgerge-sellschaftlichen, sozialen bzw. beschäftigungs- bezogenen Perspektive erfolgt und formales, nicht-formales und informelles Lernen umfasst.“

Auch die UN-Weltkonferenz zu Altersfragen hat am 12. April 2002 in Madrid den Internationalen Aktionsplan zu Altersfragen verab-schiedet. Die regionalen Umsetzungsstrategien wurden bei der Ministerkonferenz in Berlin im September 2003 angenommen und sind auch für Österreich verbindlich.
Ein weiterer wichtiger Ansatz in diesem Zusammenhang ist jener des „Active Ageing“ der Weltgesundheitsorganisation.

Allen diesen Aufrufen gemeinsam ist die Notwendigkeit, auf den zentralen Stellenwert von geistiger Betätigung zum Zweck möglichst langer Lebensfreude aufrechtzuerhalten. Da sich die Lebensarbeitszeit aus demografischen Gründen deutlich verlängern wird müs-sen, erhöht sich der Stellenwert des Lebenslangen Lernens für den Einzelnen und die Gesellschaft. Das bedeutet, dass Lernen sinngeleitet sein  und Freude machen muss.

Um welche Zielgruppe handelt es sich, wenn von SeniorInnen-Studium bzw. nachberufliche Weiterbildung gesprochen wird? An der Karlfranzensuniversität in Graz werden Frauen und Männer mit Vollendung des 50. Lebensjahres zu den älteren Studierenden gezählt.

Ziele eines Seniorenstudiums und allgemeine Leitlinien – Lern- und Bildungsmotivation im Alter
Lernmotivation ist als Auslöser und Stütze wichtig, damit Menschen Lernvorhaben aufnehmen bzw. bei begonnenen Vorhaben bleiben. Sie ist von Ermutigung und Herausforderung im Kontext von Gruppen und Institutionen abhängig. Denn Motivation ohne soziale Anerkennung kann sich nur in Ausnahmefällen über längere Zeit halten. Unmittelbare Erfolgsbestätigung ist für jeden Ler-nenden hilfreich, doch ist sie von besonderem Nutzen im Bezug auf die Lernmotivation älterer Menschen. Dazu gehört, dass ältere Studierende dann motivierter und effektiver lernen, wenn das neue Wissen mit dem vorhandenen Wissen verbunden werden kann. Verbesserte Bildungsvoraussetzungen bei den nachrückenden Alterskohorten, die “Entberuflichung des Alters” und Wertewandel begründen gesteigerte Lernmotivationen.

Ein Seniorenstudium stellt für Senioren eine Herausforderung zum lebenslangen Weiterlernen dar. Es gibt den älteren Studierenden die Chance,  persönliche Fähigkeiten, Kenntnisse und Sichtweisen in der Auseinandersetzung mit den neuesten Forschungsergebnissen neu zu entdecken, zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen der Hochschulen und die Möglichkeit, sich selbst in Projekte einzubringen und sich zu bewähren, eröffnet für viele Senioren die Chance, den neuen Lebensabschnitt sinnvoll und zufriedenstellend zu gestalten. Dabei besuchen die einen hin und wieder Vorlesungen ihres Interesses, die anderen wollen einen geregelten Abschluss machen. Durch die Teilnahme an wissenschaftlichen Diskussionen bietet das Studienangebot für ältere Menschen auch den Ausbau neuer Aktivitätsfelder bzw. die Möglichkeit der Qualifizierung für nachberufliche Tätigkeitsfelder. Schließlich soll das Seniorenstudium das gemeinsame Lernen von jüngeren und älteren Studierenden ermöglichen und damit den Austausch zwischen den Generationen fördern.

Die Variabilität von Zertifizierungsmöglichkeiten soll voll ausgeschöpft werden:
– Bestätigung der Teilnahme
– Zertifikat auf der Basis von Prüfungen
– Graduierungen wie sie bei Uni-Lehrgängen vorgesehen sind (vergl. §§ 56, 58 UG 2002).

Das Studium selbst kann in unterschiedlichen Formen durchgeführt werden:
Reguläre Studienmöglichkeiten als ordentlicher oder außerordentlicher Studierender
• Ordentlicher Studierender: Ein reguläres Studium ist an eine formale Hochschulzugangsberechtigung gebunden. Inhalt und Aufbau des Studiums sind durch eine Studienordnung geregelt. Während des Studiums müssen in der Regel Leis-tungsnachweise erbracht werden. Das Studium schließt mit der Verleihung eines akademischen Grades ab.
• Außerordentlicher Studierender: Besuch eines Universitätslehrgangs oder einzelner Lehrveranstaltungen.
Für beide Studienformen sind Studien- bzw. Lehrgangsbeiträge zu bezahlen.

Spezielle Studienmöglichkeiten für die Zielgruppe der SeniorInnen
• Strukturierte Studienprogramme: Eine zweite Möglichkeit besteht in der Schaffung eines strukturierten Studienprogramms, welches sich speziell an ältere Studierende richtet. Dieses Studienprogramm besteht einerseits aus fachübergreifenden Vorlesungsreihen und dazu aus speziellen Lehrveranstaltungen, die aus dem bestehenden Lehrangebot kommen und/oder speziell für ältere Studierende angeboten werden. Eine Sonderform strukturierter Studienprogramme bilden Ver-anstaltungen in Kompaktform, wie z.B. Sommerakademien.
• Nachberufliche Qualifizierung: Mit diesem Angebot wendet sich die Universität an Menschen, die bereits aus einem formellen Arbeitsverhältnis ausgeschieden sind bzw. die aktive Familienphase abgeschlossen haben und nun einer gesellschaft-lich relevanten Tätigkeit nachgehen wollen. Es wird davon ausgegangen, dass in vielen gesellschaftlichen Bereichen Menschen gebraucht werden, die aufgrund ihrer Lebenserfahrung und mit einer entsprechenden Weiterqualifikation wichtige Aufgaben im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements übernehmen können. Das Lehrveranstaltungsangebot besteht aus dem regulären Lehrangebot und zusätzlichen Spezialveranstaltungen.

Seniorenstudierende an der KFU Graz 2005: 434 Frauen und Männer älter als 50, davon 259 Frauen, 175 Männer
Reguläre Seniorenstudierende
285 Geisteswissenschaften (194 w, 91m)
50 Naturwissenschaften (24w, 26m)
14 Sozialwissenschaften (9w, 5m)
32 Kath. Theologie (11w, 21m)
28 Rechtswissenschaften (8w, 20m.
Ausserordintliche Studierende: 25  davon  17w, 8m
Kunstgeschichte 61, Pädagogik 47, Philosphie 39, Geschichte 32, Theologie 32 sind die beliebtesten Studien für ältere Menschen

Evaluierung
Zur Anpassung der allgemeinen Regelungen an die Studienbedürfnisse der Älteren und die Erfordernisse der Studienrichtungen wird eine regelmäßige Evaluierung vorgeschlagen. Teil der Evaluierung ist die Schaffung von Berechnun gsgrundlagen für die ZUtei-lung von Mitteln für das „Seniorenstudium“.

Literatur: 2003 Textbeiträge eines Konzeptes des BMBWK zum Thema Seniorenstudium:
A.O. Univ.Prof. Dr. Franz Kolland, Dr. Eckart Ruschman, Mag. Regina Barth, Dr. Rosemarie Kurz
Stastistische Zahlenvom ZID der Universität Graz, Thomas Trummer